CDU Neubrandenburg
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Peter Schillo

Diese Seite ist Peter Schillo,
dem Gründer der CDU Neubrandenburg gewidmet

( * 29. Juli 1877 in Noswendel  ✝ 07. April 1955 in Neubrandenburg )   

Peter Schillo Weihnachten 1954
  Peter Schillo, Weihnachten 1954

Die CDU Neubrandenburg würdigt mit dieser Veröffentlichung Peter Schillo, einen  aufrechten Demokraten, der 1946 mit Freunden und Angehörigen und auf Wunsch der sowjetischen Besatzungsmacht die CDU Neubrandenburg in der Hoffnung auf eine demokratische Entwicklung im Nachkriegsdeutschland gründete. Vorangegangen waren dramatische Ereignisse in seiner Familie, die ihn zu diesem Schritt veranlassten. Peter Schillo unterstützte finanziell und ideell den Aufbau eines großen Mitgliederbestandes, der für die damalige Zeit absolut ungewöhnlich war.  

Die Hoffnung auf Demokratie erfüllte sich nicht: die CDU wurde eine sogenannte "Blockpartei" unter Führung der "Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands - SED" die sich als allein staatstragende Partei verstand und diesen Anspruch in allen gesellschaftlichen Bereichen umsetzte, nicht selten mit Gewalt.

Peter Schillo wiedersetzte sich dieser Unterwerfung der CDU massiv, wurde aller Ämter enthoben und letztlich seiner Existenz beraubt. Er verließ Neubrandenburg und damit die DDR nicht, obwohl sein politisches Agieren und seine Aufrichtigkeit in der politischen Argumentation immer mehr eine Gefahr für seine Freiheit und die seiner Familie wurden.

Lebenslauf:

Peter Schillo, am 29. Juli 1877 in Noswendel / Saarland als ältestes von 13 Kindern in einem streng katholischen Umfeld geboren, wählte eine Ausbildung als Kulturingenieur. 

1903 kam er nach Neubrandenburg, um sich schon früh selbständig zu machen. Hier gründete er ein sehr erfolgreich arbeitendes Vermessungsbüro, das ihm und seiner Familie ein sorgenfreies Leben ermöglichte. Neubrandenburg wurde ihm und seiner Familie mit ihren 9 Kindern zur zweiten Heimat.

Ehefrau Helene Schillo
Ehefrau Helene Schillo

Zu jeder Zeit seines Lebens war es dem praktizierendem Katholiken Peter Schillo ein Bedürfnis, sich sozial zu engagieren und die katholische Kirche in der Diaspora zu unterstützen. So war er 1905 maßgeblich am Kauf eines Grundstückes in der Stadt beteiligt, auf dem mit seiner finanziellen Unterstützung das erste katholische Gotteshaus, die so genannte Schnitterkirche, errichtet wurde. Diese wurde dem hl. Josef geweiht (Als „Schnitterkirche“ benannt, weil sie insbesondere für die polnischen Schnitter mit ihren Familien im protestantisch geprägten Mecklenburg mit sehr wenigen Katholiken errichtet wurde).

1924 hat Peter Schillo sein großes Haus in der ehemaligen Adolf-Friedrich-Straße am Wall der katholischen Gemeinde Neubrandenburg geschenkt, die in Zusammenarbeit mit dem Bistum Osnabrück ein Kinderheim etablierte, in dem viele Kinder - besonders nach dem Ende des 2. Weltkrieges - eine neue Heimstatt fanden.

Als Christ und Demokrat war Peter Schillo der Nationalsozialismus wesensfremd.  Er hat nie aus seiner Haltung einen Hehl gemacht und sich weder von der NSDAP noch anderen poltischen Gruppierungen des NS-Regimes vereinnahmen lassen. In Dokumenten des Neubrandenburger Stadtarchivs ist nachgewiesen, dass Peter Schillo Widerstandsgruppen unterstützte, ohne aus familiärer Verantwortung sich ihnen direkt anzuschließen.

Das Kriegsende haben Peter Schillo und seine Familie wie ungezählte Menschen besonders im Osten Deutschlands mit allen Schrecken jener Zeit erlebt und erlitten, die in vielen Überlieferungen nachzulesen sind: besonders schwer zu ertragen waren die Massenvergewaltigungen und der von ungezählten Deutschen gewählte Freitod. Trotz dieser schlimmen Erfahrung nahm Peter Schillo, von der sowjetischen Besatzungsmacht als Antifaschist eingestuft, einige Aufträge an, um den Aufbau seiner Heimat mit allen Kräften zu unterstützen. So wurde sein Vermessungsbüro mit speziellen Vermessungsarbeiten zum Aufbau der Infrastruktur beauftragt und seine Mitarbeit in der Stadtverwaltung befördert.

Als ehrenamtlicher Stadtrat hat er sehr viel Gutes für die Menschen in der Stadt und Region bewirkt, hervorzuheben sind: sein von den SED-Machthabern mit Argwohn und Feindseligkeit begleitetes, letztlich aber erfolgreiches Engagement für den Erhalt des „Lessing-Gymnasium“, die Entwicklung der Kultur in der “Vier-Tore-Stadt“ und sein Bemühen, junge Menschen zu lehren, wie wichtig die Demokratie für einen Wiederaufbau Deutschlands ist. Jedoch nicht jeder Einsatz verlief erfolgreich. So scheiterte sein Versuch, Bauteile der Torpedoversuchsanstalt für den Neuaufbau von Häusern zu nutzen, an dem Widerstand der Roten Armee. Dankesschreiben und Urkunden belegen sein segensreiches Wirken hinreichend.

In vielen Dokumenten  - u. a. der katholischen Gemeinde Neubrandenburg - wird über das soziale Engagement der Familie Peter Schillo informiert, hervorzuheben in diesem Zusammenhang seine Frau Helene, die Menschen ohne Ansehen der Herkunft und Konfession aufnahm, versorgte und unterstützte.

“Sein Haus glich damals einem Asyl für Obdachlose, viele Menschen wurden bei ihm gespeist“ (Zitat aus der Festschrift der katholischen Gemeinde Neubrandenburg anlässlich des 90. Jahrestages der Weihe der sogenannten „Schnitterkirche“).

Blumen als Zeichen der Dankbarkeit: hunderte Menschen, darunter der Bürgermeister, schenkten Peter und Helene Schillo Blumen anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit 1949 als Zeichen des Dankes für Unterstützung und Hilfe.
Blumen als Zeichen der Dankbarkeit: hunderte Menschen, darunter der Bürgermeister, schenkten Peter und Helene Schillo Blumen anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit 1949 als Zeichen des Dankes für Unterstützung und Hilfe.

Am 21. / 22. April 1946 wurde im Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone die SED - die  „Sozialistische Einheitspartei Deutschland“ - gegründet, KPD und SPD wurden zwangsvereinigt, viele Sozialdemokraten  verloren Freiheit und Würde. Die SED wurde alleinbestimmende Partei, in der bis 1973 so genannten „Nationalen Front des demokratischen Deutschland“ - danach: „Nationale Front der DDR“. Alle anderen Parteien, so auch die CDU, wurden Blockparteien, die sich dem Alleinvertretungsanspruch der SED unterwerfen mussten. Diese politische Entwicklung war für viele Demokraten der verschiedensten Parteien nicht hinnehmbar, viele widersetzten sich dieser Entwicklung. Gegen diese “Abweichler“ wurde durch die SED und ihre Vasallen konsequent vorgegangen: Diskreditierung und Diskriminierung wurden zu Methoden der Isolierung, viele aufrechte Demokraten wurden auch inhaftiert. 
 
Der Gründer der CDU Neubrandenburg, Peter Schillo, wurde wegen seiner konsequenten Weigerung, die CDU der SED unterzuordnen, aller Ämter enthoben und gegen ihn und seine Freunde eine Diskreditierungskampagne gestartet, die in einem “Tribunal“ im Volkshaus von Neubrandenburg ein unrühmliches Ende fand: Peter Schillo  wurde politisch „kalt gestellt“ und seiner Existenz beraubt: sein Vermessungsbüro, eines der größten und erfolgreichsten in Ostdeutschland, wurde durch den Entzug aller Aufträge praktisch liquidiert und damit sein Lebenswerk zerstört. Diese Entwicklung hat Peter Schillo nach Darstellung der Familie und guter Freunde nie verwunden, aber sie war für ihn auch nie Beweggrund, sich dem SED-Regime unterzuordnen und “zu Kreuze zu kriechen“.
 
Am 7. April 1955 starb Peter Schillo in Neubrandenburg.
„Zu seiner Beerdigung kamen sehr viele Bürger, für die er sich immer wieder - besonders in den schweren Nachkriegsjahren - eingesetzt hatte. Aber auch viele, die ihm Dank schuldeten, fehlten“ (aus der zitierten Festschrift der katholischen Gemeinde).
 
Die CDU Neubrandenburg würdigt mit Peter Schillo einen aufrechten Christdemokraten, dem Freiheit und Menschenwürde weit wichtiger waren als sein eigenes Fortkommen, Reichtum und Macht. Bis zu seinem Tode war er ein Kämpfer für Demokratie. Sein Andenken soll durch diese Veröffentlichung gewahrt werden und besonders junge Menschen zum Nachdenken über die Werte des Lebens anregen.

Nachsatz: Die CDU Neubrandenburg bedankt sich in besonderer Weise bei Klaus-Dieter Schillo, einem Sohn des Peter Schillo. Nur durch seine Informationen, Dokumente und Gespräche ist die CDU auf das Leben und Wirken von Peter Schillo aufmerksam geworden. Das ist nur zu verstehen, wenn man bedenkt: die Geschichte der CDU ist in der DDR erst mit der Unterwerfung aller Blockparteien unter die Führung der SED bekannt geworden, Menschen wie Peter Schillo, die aufrecht blieben und sich der Diktatur verweigerten, wurden diskreditiert und totgeschwiegen.